Nach Baustopp und sanftem Rückbau, d.h. nur die leicht beweglichen Bauteile sollen demontiert und abtransportiert werden, wird sich die Natur selbst regenerieren. So ist es am ressourcen- und kostenschonendsten. Ein Rückbau zum jetzigen Zeitpunkt ist immer noch wesentlich kostengünstiger, als den Bau der A 143 zu Ende zu führen. Übrigens: Uns, der BI Saaletal Steuerverschwendung vorzuwerfen, ist vollkommen absurd, denn wir fordern seit über 30 Jahren, dass die A 143 nicht gebaut wird. “Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es einen derart reich ausgestatteten Lebensraum kontinentaler Prägung, jegliche Eingriffe sind nicht ausgleichbar”, heißt es in der Umweltverträglichkeitsstudie zum
Raumordnungsverfahren von 1994. Dass wegen der hohen Dichte an wertvollen und unter Schutz stehenden Flächen im betreffenden Bereich des Unteren Saaletals “kein konfliktarmer Korridor” für die A143 existiert, zeigen die Fotos von der Baustelle des Landschaftstunnels.
Was aus der stillgelegten Autobahn-Baustelle werden soll? – Eine Landschaft zum Schutz von Rebhühnern! Dort fühlt sich auch der Mensch wohl.
Das Rebhuhn ist Vogel des Jahres 2026. In Deutschland leben schätzungsweise nur noch 50.000 Brutpaare; die Bestände des Rebhuhns sind seit 1980 um mehr als 90 Prozent zurückgegangen (https://www.tierschutzverein-meerbusch.de/detailseite/das-rebhuhn-der-gefaehrdete-huehnervogel.html). Das sind alarmierende Fakten, und ein Grund mehr, die zwischen Gimritz und Beidersee vorkommenden Rebhühner zu schützen, indem wir ihnen angemessenen Lebensraum zur Verfügung stellen. Laut Göttinger Rebhuhnschutzprojekt sind das vor allem strukturreiche, genügend breite mehrjährige Blühstreifen aus regionalem Saatgut, niedrige Hecken und der Verzicht auf Pestizide. – In solch einer abwechslungs- und blütenreichen, extensiv genutzten Agrarlandschaft finden Rebhühner genügend Nahrung und können sich vor ihren Fressfeinden verstecken. Auch viele andere Arten wie z.B. Feldlerche,
Wachtel, Sumpfrohrsänger, Goldammer, Grauammer, Feldhamster und natürlich etliche Insektenarten profitieren von den aufgeführten Maßnahmen (https://www.rebhuhn-retten.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/23_Uni_LeitfadenRebhuhn.pdf).
Schließlich wäre eine rebhuhnfreundlich gestaltete Landschaft gut dazu geeignet, die vom Autobahnbau in Mitleidenschaft gezogenen Gemeinden und ihre Anwohner zu entschädigen: Dort ist Naherholung wieder möglich, ohne Autolärm und ‑abgase kann man spazieren gehen und Rad fahren, wofür selbstverständlich das ursprüngliche Wegenetz
wiederhergestellt werden muss. Oder man kann einfach nur der Natur zuhören. So wird der Naturpark “Unteres Saaletal” wieder seiner Bestimmung gerecht.



Fotos:
1 u. 2) Blick auf das von der Baustelle des Landschaftstunnels Porphyrkuppen der A143 zerstörte FND „Hügel südlich Tänzers Loch“ im NSG “Porphyrlandschaft bei Gimritz” mit zugehörigem NSG-Schild (Foto 2, Ausschnitt vergrößert).
3) Rebhuhn auf den FFH-Erweiterungsflächen nö Gimritz im Mai 2024 – unmittelbar an der Trasse der A143.
Literatur (in https://www.rebhuhn-retten.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/23_Uni_LeitfadenRebhuhn.pdf = Leitfaden des Göttinger Rebhuhnschutzprojektes aufgeführt):
- GOTTSCHALK, E. & W. BEEKE (2014): Wie ist der drastische Rückgang des Rebhuhns (Perdix perdix) aufzuhalten? Erfahrungen aus zehn Jahren mit dem Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen Ber. Vogelschutz 51: 95–116.
- TAPPER SC, POTTS GR, BROCKLESS MH (1996): The effect of an experimental reduction in predation pressure on the breeding success and population density of Grey Partridges Perdix perdix. J Appl Ecol 33:965–978.

