FAQ

Was ist die A 143? Die Bun­des­au­to­bahn A 143 ist ein seit 1991/​92 für den Wes­ten von Hal­le geplan­tes Auto­bahn-Ver­bin­dungs­stück zwi­schen den gro­ßen Tras­sen­füh­run­gen A 38 im Süden („Süd­harz­au­to­bahn“) und der A14 nörd­lich von Hal­le. Sie gehört zum Ver­kehrs­pro­jekt Deut­sche Ein­heit und wird von der Bau­trä­ger­ge­sell­schaft DEGES GmbH als soge­nann­te „West­um­fah­rung Hal­les“ dekla­riert. Der Titel ver­schlei­ert aber, dass die Tras­sen­füh­rung durch den hoch­sen­si­blen Land­schafts­raum des Unte­ren Saa­le­tals führt. Auch wird sug­ge­riert, dass die Stadt Hal­le ent­las­tet wer­den könn­te. Durch aktu­el­le Ver­kehrs­zäh­lun­gen wur­de dies wider­legt, die A143 wäre kei­ne Stadt­au­to­bahn wie der Ber­li­ner Ring.. Die pro­jek­tier­te Gesamt­län­ge beträgt 22 km, 10 km des süd­li­chen Abschnitts sind bereits für den Ver­kehr freigegeben.

Was kos­tet uns die Auto­bahn? Das Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men wird mitt­ler­wei­le auf ca. 250+ Mio. Euro bezif­fert – das ent­spricht bei­spiels­wei­se etwa den Kos­ten für:

-den Bau eines moder­nen Fach­hoch­schul­zen­trums in einer Großstadt
‑oder 26.000 kos­ten­lo­sen Kin­der­gar­ten­plät­zen für 10 Jah­re in der Stadt Hal­le (bei Gebüh­ren von 2010)
‑oder kos­ten­lo­se Schul­spei­sung für Hal­les 7000 arme Kin­der für 204 Jah­re (Prei­se von 2011)
‑oder über 100 Wind­rä­der für sau­be­ren Strom für die Stadt Hal­le und das gesam­te Umland (2 MW und 2 Mio. € das Stück)
‑oder Pfle­ge für 3000 älte­re Men­schen für 10 Jah­re (höchs­te Pfle­ge­stu­fe III, 700 €  monatlich)
‑oder 31.000 sich selbst ernäh­ren­de bäu­er­li­che Fami­li­en in Afri­ka (bei 8€ für die  Aus­saat für eine jähr­li­che Hirseernte).

Wel­che Haupt­funk­ti­on hat die A 143 nach Ansicht ihrer Pla­ner? Die A 143 soll die Anschluss­stel­len der Auto­bahn­drei­ecke Nord und Süd ver­bin­den, zu einer Ver­kehrs­ent­las­tung im Zen­trum Hal­les und einer Opti­mie­rung der Ver­kehrs­strö­me auf den angren­zen­den Auto­bah­nen bei­tra­gen. Die ursprüng­li­chen Pla­nun­gen vor mitt­ler­wei­le gut 20 Jah­ren waren getra­gen von der Eupho­rie eines ver­kehrs­tech­nisch zu stüt­zen­den “Auf­schwungs Ost‘ unmit­tel­bar nach der Wen­de. Man erwar­te­te “blü­hen­de Land­schaf­ten“ sowie einen posi­ti­ven demo­gra­phi­schen Trend.

War­um ist der Bau der A 143 seit so vie­len Jah­ren ins Sto­cken gera­ten? Eine erfolg­rei­che Kla­ge des NABU Hal­le vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt brach­te den Bau der A 143 im Janu­ar 2007 zum Halt, denn geht es nach der Pla­nungs­ge­sell­schaft, wür­de die Tras­sen­füh­rung der A 143 durch öko­lo­gisch außer­or­dent­lich wert­vol­le Gebie­te füh­ren, die durch das Euro­päi­sche Natur­schutz­recht geschützt sind. Eine kom­plet­te Land­schafts­durch­schnei­dung wäre die unaus­weich­li­che Fol­ge. Das Ver­wal­tungs­ge­richt sah dies als nicht rech­tens an. Die ste­ti­ge Ver­lang­sa­mung im Pla­nungs­pro­ce­de­re hängt mit den ver­schie­de­nen Korrekturen/​Revisionen in der Bau­pla­nung zusam­men und nicht min­der mit der Finan­zie­rungs­fra­ge eines ver­wal­tungs­tech­nisch längst immens kost­spie­li­gen Projekts.

Wel­ches sind unse­re Argu­men­te? Land­schafts- und Natur­raum­zer­stö­rung durch eine Saa­le­tal-Auto­bahn ste­hen für uns in kei­nem ver­tret­ba­ren Ver­hält­nis mehr zum reel­len und vor­her­ge­sag­ten Nut­zen eines soge­nann­ten Ver­kehrs­pro­jek­tes deut­sche Ein­heit. Nicht Auto­bah­nen sind „pul­sie­ren­de Lebens­adern“ (Zitat DEGES GmbH), son­dern Land­schaf­ten und Lebe­we­sen, den Erhalt natür­li­cher Lebens­räu­me schul­den wir uns und unse­ren Kindern.

Kri­ti­siert wer­den nament­lich: die irrever­si­ble Zer­schnei­dung eines noch natur­na­hen und ein­zig­ar­ti­gen Land­schafts­ge­biets im Wes­ten Hal­les mit der Por­phyr­kup­pen­land­schaft von Brach­witz und Gim­ritz sowie den Muschel­kalk­hän­gen bei Köll­me und Lies­kau; die Zer­stö­rung euro­pa­weit ein­ma­li­ger Bio­to­pe und natür­li­cher Lebens­räu­me; der Ver­lust meh­re­rer Tier- und Pflan­zen­ar­ten, die Unver­hält­nis­mä­ßig­keit zwi­schen Land­schafts­zer­stö­rung, Lärm- und Staub­be­las­tun­gen einer­seits, den frag­wür­di­gen Kos­ten-Nut­zen-Pro­gno­sen ande­rer­seits. Voll­ends nicht zu recht­fer­ti­gen schon allein unter dem Kos­ten­ge­sichts­punkt ist das Pro­jekt durch die – gemäß Natur­schutz­recht – not­wen­di­gen Kom­pen­sa­ti­ons­maß­nah­men wie Unter­tun­ne­lun­gen und ande­re tech­nisch auf­wen­di­ge Geländeeingriffe.

Wel­che Alter­na­ti­ven zum Bau der A 143? Für Fern­ver­kehr zwi­schen der A 38 und der A 14 steht die B 180 zwi­schen Eis­le­ben und Aschers­le­ben zur Ver­fü­gung. Auch für Fern­ver­kehr in Nord-Süd-Rich­tung ist kein Neu­bau als Alter­na­ti­ve nötig, weil die­ser Ver­kehr über A 9 und A 14 an der Stadt Hal­le vor­bei fließt.  Für den regio­na­len Durch­gangs­ver­kehr im Raum Hal­le ist als Alter­na­ti­ve zur A 143 ein zusätz­li­cher südi­cher Saa­le­über­gang in Hal­le mög­lich, wel­cher von der Stadt selbst bis­her nicht finan­ziert wer­den kann. Die­se Rou­te ver­läuft weit­ge­hend ent­lang schon bestehen­der Ver­kehr­stras­sen hät­te daher wesent­lich gerin­ge­re öko­lo­gi­sche Auswirkungen.

Gibt es beson­ders schüt­zens­wer­te Pflan­zen- und Tier­ar­ten, die durch den Auto­bahn­bau lebens­be­droh­lich gefähr­det wer­den? In das vom Bau betrof­fe­ne Gebiet kom­men seit Jahr­zehn­ten Bio­lo­gen und Natur­freun­de aus Hal­le und ganz Euro­pa, um Pflan­zen und Tie­re mit gro­ßem Sel­ten­heits­wert zu beob­ach­ten. Dazu gehö­ren: Das Klei­ne Kna­ben­kraut, das Früh­lings-Ado­nis­rös­chen, die Gemei­ne Kuh­schel­le, die Ech­te Kugel­blu­me, das Helm-Kna­ben­kraut, der Ähren-Blau­wei­de­rich, die Sand-Sil­ber­schar­te und vie­le wei­te­re Pflan­zen der für die Por­phyr­kup­pen­land­schaft typi­schen Hei­de- und Tro­cken­ra­sen­ve­ge­ta­ti­on. Him­mel­blau­er Bläu­ling (Schmet­ter­lings­art), Zin­no­ber­ro­te Röh­ren­spin­ne, Wald-Iltis, Kamm-Molch und vie­le ande­re nur für die­sen Lebens­raum ange­pass­te Lebe­we­sen wären eben­so in ihrem Bestand bedroht.

Kön­nen wir wirk­lich auf jede Krö­te und jedes Kraut Rück­sicht neh­men? Die­se Pole­mik ist von „Beton­köp­fen“ oft zu hören. Es hat sich aber nicht nur die Bun­des­re­pu­blik, son­dern die Euro­päi­sche Uni­on und die gesam­te zivi­li­sier­te Welt­ge­mein­schaft ver­pflich­tet, das Arten­ster­ben zu stop­pen. Seit dem letz­ten Jahr­hun­dert bis heu­te ist fast die Hälf­te aller Tier- und Pflan­zen­ar­ten für immer ver­schwun­den. Wenn die Erde in Zukunft noch gro­ße genug sein soll für uns, und für die Pflan­zen und Tie­re, müs­sen wir jetzt umden­ken! Das Saa­le­tal wäre genau­so vom Aus­ster­ben der Arten betrof­fen wie der Amazonas.

Wel­che Chan­cen bestehen gegen­wär­tig noch, das Pro­jekt zu ver­hin­dern? Die Erfolgs­aus­sich­ten sind gut, weil das EU-Recht über natio­na­lem Recht steht; der NABU Hal­le sowie die Bür­ger­initia­ti­ve Saa­le­tal berei­ten eine ent­spre­chen­de Kla­ge gegen die wei­te­ren Pro­jekt­stu­fen vor. Dar­über hin­aus: Eine brei­te­re öffent­li­che Betei­li­gung an der Dis­kus­si­on über das Pro­blem­pro­jekt A 143 kann immer noch dazu bei­tra­gen, den Sinn infra­struk­tu­rell frag­wür­di­ger Groß­pro­jek­te infra­ge zu stel­len. Es ist Zeit die Fra­ge zu stel­len, wel­chen Preis wir für noch mehr Auto­bah­nen zah­len wol­len, und ob die Ver­kehrs­pro­jek­te der deut­schen Ein­heit heu­te noch aktu­ell sind.

Was pas­siert im Fall des GAUs? Selbst im schlimms­ten anzu­neh­men­den Fall, dass doch gebaut wird, lohnt sich der Wider­stand, damit mög­lichst umfang­rei­che Kon­zes­sio­nen der Pla­nungs­ge­sell­schaft DEGES erreicht wer­den kön­nen. Land­schafts­scho­nen­de Tun­nel­va­ri­an­ten sind bei­spiels­wei­se Alter­na­ti­ven zu den gro­ben Ein­grif­fen in den Land­schafts­raum, wie sie die bis­he­ri­gen Pla­nun­gen der DEGES ankündigen.

Was kann ich  tun? Am wich­tigs­ten sind Spen­den an den NABU um die Kla­ge zu bezah­len. Die Bür­ger­initia­ti­ve freut sich auch über wei­te­re Mit­strei­te­rIn­nen, zu den regel­mä­ßi­gen Tref­fen. In der Wahl­ka­bi­ne kön­nen sie mit­ent­schei­den, bis­her haben sich Bündniss90/​Grüne und die Links­par­tei für die Ret­tung des Saa­le­tals aus­ge­spro­chen. CDU, FDP und SPD ste­hen für die A143.

Auch als Ver­brau­cher kön­nen Sie etwas tun. Tau­schen Sie die ADAC Mit­glied­schaft gegen den VCD oder einen ande­ren Ver­kehrs­club, der sich nicht als Lob­by­or­ga­ni­sa­ti­on für den Auto­bahn­neu­bau betätigt.

HINTERGRUND
DOKUMENTE

Bür­ger­initia­ti­ve Saa­le­tal e.V. Gro­ße Klaus­stras­se 11 06108 Halle/​Saale info@bi-saaletal.de