Ergebnisse der Pressekonferenz vom 1. Mai 2019

Im Hörsaal der Botanik stellten Dr. Maud von Lampe und Dr. Conrad Kunze die Petition gegen den Weiterbau der A-143, für Klimaschutz und Verkehrswende, den Gästen vor. Rund fünfzig Personen waren im Hörsaal, die meisten, aber nicht alle, von der Bürgerinitiative.

Vorstellung der Petition: Dr. Maud von Lampe, Dr. Conrad Kunze (v.l.n.r.)

Zitat Dr. Maud von Lampe:

„Tun wir alles dafür, dass diese wertvollen Naturräume im Norden Halles erhalten bleiben.“

Der Einladung waren Frau Winkler von der Fraktion Mitbürger im Stadtrat, Herr Lippmann, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Landtag, und Herr Aldag von B90/Grüne gefolgt. Grüße schickten die FAU – Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union Halle, Dr. Petra Sitte (MdB Linkspartei), und Stephan Krull, ehemaliges Betriebsratsmitglied Volkswagen Werk Wolfsburg, die alle drei wegen anderer Termine am 1. Mai nicht kommen konnten.

Professor Lindner, Botaniker und Unterzeichner der Petition, hielt die Eröffnungsrede. In seinem Beitrag machte er als Wissenschaftler auf den katastrophalen Rückgang der Biodiversität in Mitteleuropa aufmerksam. Sein Fazit war, dass es in Deutschland genug Straßen gibt. Der ungebremste Straßenbau in Deutschland wird die Menschheit in eine irreversible Klimakatastrophe stürzen. Er mahnte, dass jetzt alternative Verkehrskonzepte dringend erforderlich sind und brachte es mit einem Zitat von Lewis Mumford, 1955, The Roaring Traffic’s Boom auf den Punkt: „Mehr Straßen bauen, um mit Staus fertig zu werden, ist wie den Gürtel zu lockern, um die Gewichtszunahme zu bekämpfen.“

Prof. Dr. Martin Lindner während seiner Eröffnungsrede

Zitate Prof. Dr. Martin Lindner:

„Das ist ein Zauber der Landschaft. Den kann man nicht mit ’ner Straße zerstören!“
(über die Porphyrkuppen)

„FFH, das ist nicht einfach Naturschutzgebiet, sondern das ist Naturschutzgebiet auf europäischem Niveau. Das bedeutet, dass wir in Europa solche Flächen schützen müssen, weil sie in ganz Europa bedroht sind.“
(zur Bedeutung von FFH-Gebieten)

„Naturschutzgebiet ist schon ’ne heiße Kiste. Aber in einem FFH-Gebiet anzufangen zu planen, das ist im Grunde unmöglich.“
(über die rechtlichen Grundlagen hinsichtlich der Planung von Straßenbaumaßnahmen etc. in NSG und FFH)

„Artenschutz und Biodiversität ist heute einfach ein Muss für die ganze Gesellschaft.“

Der Sprecher der Bürgerinitiative, Conrad Kunze, hielt eine Rede über Gewerkschaftsbeschlüsse für Klimaschutz in Großbritannien und den Zusammenhang von Klimaschutz und Verkehrswende.

Zitate Dr. Conrad Kunze:

„Das Modell mit ungefähr 40 Mio. Autos auf 80 Mio. Einwohner funktioniert einfach nicht.“
(sein Fazit aus dem Bericht der Leopoldina zum heutigen Verkehr und dessen Umweltbeeinträchtigung)

„Natürlich ist der Saalekreis verstopft mit LKW, natürlich ist Halle verstopft mit LKW. Das ganze Land hat zu viel LKW-Verkehr.“
(über die Diskrepanz zwischen Straße und Schiene)

„Diese Art von Mobilität ist verkehrt. Sie ist am historischen Ende und nicht mehr zu legitimieren.“
(zur aktuellen Situation bzgl. immer mehr Autos, immer mehr Straßen)

„Was auf unserer Seite steht, und vor 20 Jahren noch nicht in der Petition stand, und auch beim Gerichtsprozess fast keine Rolle gespielt hat, ist, dass heute wirklich niemand mehr sagen kann, dass der Klimawandel irgendein Randthema ist für ein paar Wissenschaftler.“
(zur Arbeit der BI)

Ein Besucher sprach sich für die Autobahn aus und warf uns vor, wir würden nur an die Tiere denken und nicht an die Menschen, was nicht stimmt, da wir gerade in aller Breite über die drohende Klimakatastrophe und die Notwendigkeit einer gerechten Verkehrswende gesprochen hatten. Er behauptete ferner, neunzig Prozent der Hallenser seien für die Autobahn. Das ist zum ersten eine unbewiesene Behauptung, und widerspricht zum zweiten einer Online-Umfrage der MZ, in der die Mehrheit der Leser gegen die Autobahn stimmte.

In einem weiteren Redebeitrag wurde darauf hingewiesen, dass sich die Spannungen gegenüber den Autobahnbefürwortern intensivieren. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Aktivitäten der Autobahngegner sich auf keinen Fall gegen die Lebensqualität der Hallenserinnen richtet. Es muss das erklärte Ziel sein, gemeinsam die einzigartige Landschaft im Norden Halles als Rückzugsort für alle Hallenser*innen zu erhalten. Dazu suchen wir den Dialog, um Konzepte zur Verkehrswende zu entwickeln und umzusetzen.

Wir überreichten die Petition den anwesenden Politiker*innen und aßen den selbstgebackenen Kuchen, den Mitglieder der Bürgerinitiative Saaletal mitgebracht hatten.

Überreichung der Petition: Dr. Conrad Kunze, Dr. Maud von Lampe, Wolfang Aldag, Thomas Lippmann (v.l.n.r.)

Hinter dem Neuen Theater am Fuße des Uniplatzes überreichten wir, Frau Maud von Lampe und Conrad Kunze, die Petition auch den Bundestagsabgeordneten Frau Dr. Sitte (Linke) und Dr. Karamba (SPD), sowie Herrn Hendrik Lange, dem Bügermeisterkandidaten. Herr Lange sagte mir zu, mit ihm gebe es weder umweltschädliche Nordtangente noch nördliche Saalebrücke – zwei weitere Hauptforderungen der Petition. Außerdem würde er sich für eine weitgehend Auto-freie Altstadt einsetzen.

Überreichung der Petition: Hendrik Lange, Dr. Petra Sitte, Dr. Conrad Kunze, Dr. Maud von Lampe (v.l.n.r.)
Überreichung der Petition: Dr. Karamba Diaby, Dr. Maud von Lampe (v.l.n.r.)

Wir sind sehr zufrieden mit unserer Pressekonferenz und hoffen auf die Unterstützung auch der Politiker*innen. Wir sammeln aktuell weitere 5000 Euro an Spendengeldern für Fachgutachten und hohe Anwaltskosten. Der Hauptverhandlungstag ist der 28. Mai in Leipzig am Bundesverwaltungsgericht. Am 13. Mai laden wir 20.00 Uhr ins Luxkino zum Film „die Wiese“ ein, mit anschließendem Podiums- und Publikumsgespräch. Wir möchten mit Gegner*innen auf dem Niveau gegenseitigen Respektes diskutieren.