Bür­ger­initia­ti­ve Saa­le­tal e.V.

Pres­se­mel­dung, 15. Juni 2018

Bür­ger­initia­ti­ve Saa­le­tal unter­stützt die Kla­ge der Ton und Kali GmbH gegen die Zer­schnei­dung der Natur­schutz­ge­bie­te west­lich von Hal­le durch den dro­hen­den Wei­ter­bau der Auto­bahn 143

Die Bür­ger­initia­ti­ve Saa­le­tal tritt seit einem Jahr­zehnt für den Schutz und Erhalt des Natur­schutz­ge­bie­tes unte­res Saa­le­tal ein. Wir wol­len eine Zer­schnei­dung durch eine Auto­bahn ver­hin­dern, wofür uns aus­schließ­lich der Rechts­weg bleibt. Die Bür­ger­initia­ti­ve besteht aus Anwoh­ner, Hal­len­sern, Exil­hal­len­sern und Natur­freun­den. Wir unter­stüt­zen die Kla­ge von Herrn Dr. Rohr­mo­ser voll­auf. Wir ver­ur­tei­len die Kam­pa­gne der Pres­se gegen Herrn Dr. Rohr­mo­ser und hof­fen, dass er dem Druck stand­hält und die Kla­ge auf­recht­erhält. Dies ist die letz­te Chan­ce, das Saa­le­tal auf dem Gerichts­weg vor der dro­hen­den Auto­bahn zu bewah­ren.
Nach unse­rer Rechts­auf­fas­sung ver­stößt die Auto­bahn genau­so gegen gel­ten­des Natur­schutz­recht, wie im Jahr 2007, als sie bereits ein­mal vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gestoppt wur­de. An der Zer­schnei­dung des Natur­schutz­ge­bie­tes hat sich grund­sätz­lich nichts geän­dert. Die Erkennt­nis­se über Kli­ma­wan­del und Arten­ster­ben, zwei Übel, zu denen die Auto­bahn bei­tra­gen wür­de, haben sich hin­ge­gen wei­ter ver­dich­tet.
Die nur 12 Kilo­me­ter wür­den eine enor­me Lebens­raum­zer­stö­rung direkt vor unse­rer Haus­tür ver­ur­sa­chen. Auf nur 13 km wür­den 2 Fau­na-Flo­ra-Habi­tat (FFH)-Gebiete, ein Natur­schutz­ge­biet, 1 flä­chen­haf­tes Natur­denk­mal, 2 geschütz­te Land­schafts­be­stand­tei­le und 2 Land­schafts­schutz­ge­bie­te durch­schnit­ten.
Durch Ver­lär­mung und Abgas­emis­si­on wären noch mehr, näm­lich 2 Land­schafts­schutz­ge­bie­te, 5 Natur­schutz­ge­bie­te, 23 flä­chen­haf­te Natur­denk­ma­le und 4 geschütz­te Land­schafts­be­stand­tei­le erheb­lich geschä­digt. Betrof­fen sind unter ande­rem das FFH-Gebiet Muschel­kalk­hän­ge west­lich Hal­le zwi­schen Lies­kau, Zappendorf/​Köllme und Ben­n­stedt, die Saa­le­au­en­land­schaft zwi­schen Brach­witz und Salz­mün­de, das Salz­a­tal sowie das FFH-Gebiet Por­phyr­kup­pen­land­schaft nord­west­lich Hal­les zwi­schen Gim­ritz, Brach­witz und Döblitz. Wie inten­siv muss eine Natur­zer­stö­rung noch sein, damit wir bereit sind auf ein Stra­ßen­pro­jekt zu verzichten?

Hin­sicht­lich des tat­säch­li­chen Bedar­fes steht die­se Auto­bahn schon längst in Fra­ge. Der Stand des Wis­sens zu einer mög­li­chen Ver­kehrs­ent­las­tung für die hal­le­sche Innen­stadt ist wei­ter­hin die Ver­kehrs­zäh­lung aus dem Jahr 2009 und des Büros SVU aus Dres­den. Dem­nach ist der Ver­kehr aus und in west­li­che® Rich­tung haupt­säch­lich Ziel- und Quell­ver­kehr – also Men­schen, die in die Stadt oder aus der Stadt fah­ren. Ledig­lich etwa 1500 Fahr­zeu­ge pas­sie­ren die Stadt täg­lich. Das vor­han­de­ne Stück A143 bis zur B80 erfüllt sei­ne ver­kehr­li­che Auf­ga­be voll­auf. Für den über­re­gio­na­len Ver­kehr, der über die A38 in Rich­tung A14 (Mag­de­burg) fließt, exis­tie­ren bereits heu­te leis­tungs­star­ke Alter­na­ti­ven. Auto­fah­rer kön­nen bei­spiels­wei­se von Sang­er­hau­sen über die B86, wei­ter von Mans­feld über die B180 in Rich­tung Aschers­le­ben und dann über die B6 auf die A14 fah­ren oder aus der ande­ren Rich­tung über Eis­le­ben. An eini­gen Stel­len müss­te die­se Tras­se noch etwas aus­ge­baut wer­den, wäre kos­ten­güns­ti­ger und wür­de sich bes­ser mit Mensch und Natur ver­tra­gen.
Der Ver­kehr auf der Hoch­stra­ße besteht laut der Ver­kehrs­zäh­lung im aller­höchs­ten Fal­le zu 5% und auf der Kröll­wit­zer Stra­ße zu 2,5% aus Per­so­nen, die die von der Auto­bahn ange­bo­te­ne Rich­tung anfah­ren. Eine Ent­las­tung vom Stau wür­de die Auto­bahn des­halb nicht brin­gen. Sicher hin­ge­gen wäre eine erheb­li­che Ver­kehrs­be­las­tung aller Bür­ger, die an den Zufahrts­stra­ßen zur Salz­mün­der Auto­bahn­auf­fahrt woh­nen. Dies betrifft nicht nur die Salz­mün­der, Schiep­zi­ger und Ben­ken­dor­fer Bür­ger son­dern auch die Bür­ger von Dölau und Let­tin.
Die Auto­bahn stün­de im kras­sen Gegen­satz zum Kli­ma­schutz­plan der Bun­des­re­pu­blik vom 11. Novem­ber 2016, wonach die Co2 Emis­si­on bis zur Jahr­hun­dert­mit­te um 80 – 95% sin­ken soll. Sie wür­de eben­so gegen das inter­na­tio­na­le Kli­ma­ab­kom­men von Paris vom 12. Dezem­ber 2015 ver­sto­ßen. Mit der Auto­bahn wür­de das Ver­kehrs­auf­kom­men und somit der Co2 Aus­stoß zuneh­men, zudem wür­den Co2 Sen­ken zer­stört.
Die Auto­bahn wür­de zum loka­len Aus­ster­ben sel­te­ner Tier- und Pflan­zen­ar­ten füh­ren, von denen vie­le in Deutsch­land und Euro­pa bedroht sind. Dies ver­stößt gegen die natio­na­le Stra­te­gie zur bio­lo­gi­schen Viel­falt vom Novem­ber 2007 und gegen das Über­ein­kom­men über die bio­lo­gi­sche Viel­falt der Ver­ein­ten Natio­nen von 1992. Um die Ver­ein­ba­rung umzu­set­zen, hat sich die Euro­päi­sche Uni­on 1992 die Fau­na-Flo­ra-Habi­tats (FFH) Richt­li­ni­en gege­ben. Eine erheb­li­che Beein­träch­ti­gung eines Euro­päi­schen Schutz­ge­bie­tes ist nicht erlaubt. Nur im stren­gen Aus­nah­me­fall ist dies mög­lich, und der ist nicht gege­ben. Im Gegen­teil, heu­te spricht sehr viel gegen die Auto­bahn und kaum noch etwas für sie. Die Grün­de für ihre Pla­nung vor einem Vier­tel­jahr­hun­dert sind obso­let. Selbst die Auto­bahn­ge­sell­schaft Deges muss­te ihre Pro­gno­sen zum Ver­kehrs­auf­kom­men nach unten kor­ri­gie­ren. Die Pro­gno­se der DEGES, die eine Ver­dopp­lung des Ver­kehrs­auf­kom­mens vor­her­sagt, ent­spricht nicht den Rea­li­tä­ten. Die wirt­schaft­li­chen Ver­keh­re spie­len sich haupt­säch­lich süd­lich zwi­schen Hal­le und Leip­zig ab, nord­west­lich gibt es kaum Wirtschaftsbeziehungen.

Wenn hal­le­sche Poli­ti­ker wirk­lich etwas gegen Stau und Luft­ver­schmut­zung tun möch­ten, soll­ten sie ein zeit­ge­mä­ßes Ver­kehrs­kon­zept für die Stadt ent­wi­ckeln und umset­zen. Arbeits­plät­ze im Saa­le­tal kön­nen durch natur­ver­träg­li­chen Fluss- und Fahr­rad­tou­ris­mus hin­zu­ge­won­nen wer­den. Unfäl­le auf ande­ren Auto­ah­nen kön­nen durch Tem­po­li­mits ver­min­dert wer­den. All dies sind lös­ba­re Pro­ble­me, die Auto­bahn 143 wäre jedoch kei­ne Lösung son­dern ein wei­te­res Pro­blem. In die­sem Sin­ne wol­len wir das Saa­le­tal bewah­ren, und dem Natur­schutz zum Recht verhelfen.

Kon­takt:
Bür­ger­initia­ti­ve Saa­le­tal
BISaaletal@googlemail.com

Am 27. Juni 2011 hat sich im hal­le­schen Reform­haus die Bür­ger­initia­ti­ve Saa­le­tal gegrün­det. Die lang­jäh­ri­gen viel­fäl­ti­gen Pro­tes­te enga­gier­ter Ein­woh­ner aus Hal­le und dem Saa­le­kreis gegen den geplan­ten Bau der Bun­des­au­to­bahn 143 sind damit erst­mals unter dem Dach eines Bür­ger­fo­rums versammelt.

Wir wol­len die Natur- und Kul­tur­land­schaft mit all ihren Schön­hei­ten und ihrer gewach­se­nen Ver­traut­heit bewah­ren. Wir möch­ten die auch im euro­päi­schen Maß­stab bedeu­ten­den Natur­schät­ze des Unte­ren Saa­le­tals – zwi­schen Hal­le und Wet­tin – so erhal­ten und an künf­ti­ge Genera­tio­nen wei­ter­ge­ben, wie sie uns über­lie­fert wur­den. Fahr­läs­si­ge und gedan­ken­lo­se Zer­stö­rung durch Bau­pro­jek­te nach dem Reiß­brett gilt es zu ver­hin­dern, beson­ders wenn die­se per Feder­strich geplant wur­den, ohne ihren Bedarf jemals in Fra­ge zu hinterfragen.

Die Argu­men­te gegen eine Auto­bahn im Saa­le­tal beru­hen auf Stu­di­en zum aktu­el­len Ver­kehrs­auf­kom­men und zur Demo­gra­phie, auf ver­glei­chen­den Über­le­gun­gen zu Ver­kehrsal­ter­na­ti­ven, zu mehr wirt­schaft­li­cher Ver­nunft und öko­lo­gi­scher Nach­hal­tig­keit. Und sie beru­hen auf der Ein­sicht, dass das Ver­schleu­dern von Steu­er­gel­dern auf Kos­ten der Natur nicht hin­ge­nom­men wer­den darf. Öffent­lich Kri­tik ist unum­gäng­lich, auch in der Form von Kla­gen, damit es ein Umden­ken in der Ver­kehrs­po­li­tik gibt.

Der zer­stö­re­ri­sche Ein­griff in ein alt­ver­trau­tes Land­schafts­bild bei Hal­le geht uns alle an – unter­stüt­zen Sie uns, tra­gen Sie durch Akti­vi­tä­ten, Dis­kus­sio­nen oder Spen­den dazu bei, dass ein bedeut­sa­mes Kul­tur- und Natur­ensem­ble in sei­ner Ein­zig­ar­tig­keit erhal­ten bleibt. Und set­zen Sie sich mit uns gemein­sam dafür ein, dass pul­sie­ren­de Lebens­adern auch in Zukunft nicht aus Auto­bah­nen bestehen, son­dern zual­ler­erst aus geschütz­ter Natur, kul­ti­vier­ter Hei­mat, leben­di­gem Tourismus.

*Foto: Das Saa­le­tal am am 29.10.2017 bei Mücheln/​Wettin Rich­tung Salz­mün­de. Dort wür­de die Auto­bahn sein.